Hägar, Wickie und die Wikinger

Ausstellungsplakat

Sonderausstellung vom 21. Mai bis zum 3. Juli 2013 im Jagd- und Fischereimuseum München: WICKIE wird 50 und HÄGAR feiert seinen 40. Geburtstag. Diese Jubiläen zweier prominenter Hornhelm-Träger sind mehr als Anlass genug sich in einer im Rahmen des Comicfestival München stattfindenden Ausstellung mit den als Comicfiguren ungebrochen populären Wikingern auseinander zu setzten. Gezeigt werden u. a. Original-Comicseiten von Dik Browne (HÄGAR), von sämtlichen PRINZ EISENHERZ Zeichnern, von Mike Perkins (THOR), Davide Gianfelice (NORTHLANDERS) und vom Münchner Illustrator Christoph Schöne, der Runer Jonssons WICKIE-Bücher neu bebildert hat.

50 Jahre Wickie

Cover: Wickie und die starken Männer

Der kleine Wickie kommt so gar nicht nach seinem Vater den stolzen Wikingeranführer Halvar. Wickie denkt nicht daran sich zu raufen und dabei wie Halvar ein Ohr und gar ein Auge einzubüssen. Doch der kleine Wickie hat Grips und ist den starken Männern der Mannschaft eine ganz große Hilfe als er mit den Wikingern zu seiner ersten abenteuerlichen Beutefahrt aufbricht.

Der schwedische Autor Runer Jonsson schrieb ab 1963 insgesamt sechs Bücher um “Vickie Viking“ und erhielt dafür 1965 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ganze Generationen sind mit der 78-teiligen japanischen Zeichentrickserie von 1972 um “Wickie und die starken Männer“ und mit Christian Bruhns markigem Titelsong (“Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey!”) groß geworden. Michael Bully Herbigs in den Bavaria Filmstudios gedrehten Kinofilm “Wickie und die starken Männer” sahen fast 3 Millionen Kinobesucher.

Christoph Schöne, ein Münchner Illustrator und Comiczeichner (“Der lustige Berber“), zählt sich ebenfalls zur “Generation Wickie“ und war völlig begeistert als er den Auftrag erhielt Jonssons Bücher neu zu bebildern. Die etwas schlichten schwarzweißen Illustrationen der Erstausgabe befand der Ellermann Verlag für nicht mehr zeitgemäß. Schönes einfühlsam kolorierte Bilder leugnen zwar nicht die Nähe zur Trickfilmserie, finden dabei aber zugleich auch einen ganz eigenen Zugang zu Jonssons Figuren.

Manche Elemente der Erzählung, speziell das Verhältnis zwischen dem ach so großartigen Halvar und seiner ihm überlegenen Gattin Ylva erinnert an einen weiteren Wikinger namens “Hägar“, der 10 Jahre nach “Wickie“ erfolgreich als Comicstrip durchstartete.

40 Jahre Hägar

riginalzeichnung von Dik Browne

Schon gleich der sechste Strip ist ein unvergesslicher Klassiker und zeigt die Genialität von Dik Brownes Konzept. Am 10. Februar 1973 steht Hägar in tapferer Pose mit Schwert und Schild vor seiner Frau Helga und ruft martialisch aus: “Der Wind weht gen England, der Mond schreit nach Blut. Ruhm und Ehre warten, ich sag nur… mach´s gut!“ Helga erwidert: “Nimm bitte den Müll mit raus.“

Diese Originalzeichnung von Dik Browne wird auf dem Festival zu sehen sein.

Hägar wurde 1973 von Dik Browne erfunden. Zuvor hatte dieser in den Vierziger Jahren als Zeichner einer Werbeagentur das Logo für Chiquita-Bananen entworfen. Nach einer Idee von Mort Walker zeichnete er ab 1954, die Serie “Hi and Lois“ (“Familie Gong“). Diese Serie war eine Auskopplung aus Walkers Erfolgsserie “Beetle Bailey“ (bei uns auch als “Schütze A“ bekannt). Mit “Hägar“ startete Browne parallel zu “Hi and Lois“ schließlich eine eigene Serie.

Die Mischung aus Historien-Klischees und zeitloser Alltäglichkeit, die auch schon die “Familie Feuerstein“ zu einem so großen Erfolg werden ließ, machte “Hägar“ nahezu augenblicklich zu einem gewaltigen Erfolg. Die Serie überzeugt auch durch sympathische Nebenfiguren wie Sven Glückspilz, Hägars grüblerischen Sohn Hamlet oder den seltsamen Dr. Zook. Zum Wochenende erscheint “Hägar” als großformatiger Sonntagsstrip. Hier wurde dem Wikinger und seiner Sippe mit bis zu 15 Panels sehr viel mehr Raum eingeräumt um ihr komisches Handwerk zu verrichten.

Die Gags dachte sich Dik Browne meist im Kreise seiner Familie aus. Daher gab es auch keinen spürbaren Qualitätsabfall als Brownes Sohn Chris nach dem Tod seines Vaters die Serie ab 1989 übernahm.  Brownes Sohn Change beerbte seinen Vater als Zeichner von “Hi and Lois“.  Noch heute erscheint ”Hägar the Horrible” weltweit täglich in fast 2.000 Zeitungen und die Ehapa Comic Collection veröffentlicht eine chronolgisch geordnete Gesamtausgabe.

Thor

Jack Kirby zeichnete den ersten Auftritt von Thor

Im August 1962 in Heft 83 der Marvel-Comic-Reihe “Journey into Mystery” wurde erzählt, wie der Mediziner Don Blake bei einem Urlaub in Norwegen in einer Felshöhle einen knorrigen Holzstock fand. Als er diesen Stock gegen eine Felswand schlägt, verwandelt er sich prompt in den Donnergott Thor und darf auch gleich außerirdische Invasoren vertreiben. Doch auch an das Herz wurde gedacht: Der gehbehinderte Don Blake liebt die Krankenschwester Jane Foster, fühlt sich als Krüppel ihr gegenüber minderwertig und traut sich nicht an sie heran.

Jack Kirby zeichnete den ersten Auftritt von Thor.

Das Marvel Team um Stan Lee und Jack Kirby schuf in den Sechziger Jahren einen Superhelden nach dem anderen und keine Idee erschien ihnen dabei zu abgefahren zu sein. Nachdem eine unglückliche verlaufende Raumfahrt die Fantastic Four in unterschiedlich begabte dehnbare, steinharte, brennende oder unsichtbare Helden verwandelte und der Biss einer radioaktiv verstrahlten Spinne den Studenten Peter Parker zum Spider-Man machte, kam die Idee auf einen Gott ins Marvel-Superhelden-Universum aufzunehmen. An eine Figur des Christentums trauten sich die Marvel Macher nicht heran, die griechische und römische Mythologie wurde geprüft, doch als “dramatischstes Pantheon von allen“ erschienen Stan Lee die nordischen Götter. So kam es, dass der Donnergott Thor Aufnahme fand in das  “dramatischste Superhelden-Pantheon von allen“.

Mittlerweile ist Thor einer der beliebtesten Marvel-Superhelden und feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Dienstjubiläum als (Gründungs-) Mitglieder des auch aus dem Kino bekannten Teams The Avengers. Seine Comic-Abenteuer veröffentlich bei uns der Panini Verlag.

Prinz Eisenherz

Seit dem 13. Februar 1937 erscheint allwöchentlich eine weitere Comicseite mit den Abenteuern von Prinz Eisenherz. Der Leser kann miterleben wie es der junge Wikingerprinz schaffte Ritter der Tafelrunde zu werden und seine geliebte Aleta zu erobern. Mittlerweile ist er mehrfacher Familienvater und oft steht sein Sohn Arne stärker im Zentrum des Geschehens als der Titelheld. Geschaffen wurde die Figur von Hal Foster, dessen unglaublich detailreichen Zeichnungen ebenso faszinieren wie sein Talent die mit der Artus-Legende verknüpfte epische Saga in humorvollen und spannenden Episoden zu erzählen.

“Prinz Eisenherz“ handelt zwar von Kriegern und Kriegen, doch Hal Foster stellt Gewalt nicht als Lösung sondern als Problem dar. So ist es nicht nur ziemlich komisch sondern auch ein pazifistisches Statement, wenn Aleta, die Gattin von Prinz Eisenherz, inmitten einer kriegerischen Auseinandersetzung den Männern in einer ergreifenden Ansprache ihre Dummheit vorhält und darauf hinweist, dass es wirklich wichtigere Dinge zu tun gibt als sich die Köpfe einzuhauen.

Hal Fosters “Prinz Eisenherz“ unterscheidet sich von anderen Abenteuer-Geschichten dadurch, dass nicht nur die Abenteuer der Hauptfigur erzählt werden. Im Laufe der Jahrzehnte gruppierte Foster ein markantes Ensemble rund um seinen ritterlichen Helden. Daher kommt es immer mal wieder vor, dass Eisenherz etliche Seiten pausiert und Platz macht, z. B. für die raue aber rührende Lovestory zwischen dem rustikalen Wikinger Boltar und der selbstbewussten Indianerin Tillicum. Hal Fosters “Prinz Eisenherz“ unterscheidet sich von anderen Abenteuer-Geschichten aber auch dadurch, dass immer wieder universelle Themen angeschnitten werden. Erstaunlich ausführlich und sensibel erzählt Foster davon wie Figuren wie etwa Eisenherz’ Arf, der bei einem Lawinenunglück ein Bein verloren hat, nach schweren Depressionen wieder Lebensmut schöpfen.

Prinz Eisenherz erscheint bei uns in einer vorbildlich editierten Ausgabe bei Bocola und erlebt weiterhin wöchentlich neue Abenteuer. Nachdem Foster in den Siebziger Jahren in den verdienten Ruhestand ging, übernahm John Cullen Murphy, der 2004 von Gary Gianni und 2012 von Thomas Yeates abgelöst wurde. Die Ausstellung zeigt Originalseiten von allen vier Eisenherz-Zeichnern.

Northlanders

Originalzeichnung von Davide Gianfelice

Fern der verspielten Heiterkeit von Wickie und Hägar oder dem draufgängerischen Heldentum eines Thor zeichnet Comic-Autor Brian Wood in der Graphic Novel-Reihe Northlanders ein ganz anderes Bild des Wikinger-Zeitalters. Das hat ihm 2008 sogar eine Nominierung für den renommierten Eisner Award eingebracht.

Diese Originalzeichnung von Davide Gianfelice wird auf dem Festival zu sehen sein.

Die siebenbändige Serie nähert sich dem Mythos von seiner realistischen Seite und lässt eine düstere Vision vom Leben der Nordmänner entstehen, die mit den Bildern, die wir aus den Comics um die „starken Männer“ kennen, nur noch wenig gemein hat.

Wood, der sich wie in seinem urbanen Nahzukunftsszenario DMZ üblicherweise eher modernen Themen widmet, begibt sich mit Northlanders auf historisches Terrain und schildert ähnlich schonungslos eine mittelalterliche Welt geprägt von Kälte, Hunger, Angst und Gewalt.

Angesiedelt um unterschiedliche überlieferte Ereignisse des Wikinger-Zeitalters folgen die Erzählungen in den jeweils unabhängig voneinander lesbaren Bänden verschiedenen Protagonisten auf ihren Beutezügen, ihrer Rückkehr in die alte Heimat oder in ihr von Armut und Krankheit bedrohtes Dorf. Da ist zum Beispiel Sven, der im Jahr 980 nach langer Zeit im byzantinischen Exil in seine Heimat zurückkehrt, um sein Erbe mit allen Mitteln einzufordern. Oder Hilda, die 1020 nach dem Pesttod ihres Mannes in einer Wolga-Siedlung mit ihrem Kind auf sich allein gestellt, nicht nur gegen den harten Winter, sondern auch die feindliche Gemeinschaft kämpfen muss.

Brutal authentisch erzählt Wood angelehnt an die historische Rolle der Wikinger als Eroberer, Plünderer und Krieger Geschichten von gebrochenen Helden und spart dabei auch nicht an blutigen Schlachtszenen. Seine Protagonisten bewegen sich dabei im zeitlosen Spannungsfeld von Familie, Ehre, Gier und Verrat, in einer Welt, wo alter Glaube und heidnische Götter auf das aufstrebende Christentum prallen.

Den verschiedenen Künstlern, unter anderem Davide Gianfelice und Ryan Kelly, die die Illustrationen zu den jeweiligen Bänden beigesteuert haben, gelingt es, die Erzählungen mit stimmungsvollen Bildern zum Leben zu erwecken: Erdige Farben treffen auf die kalten Grautöne karger, winterlicher Landschaften, umrissen in einem schlichten, kantigen Stil machen die Reihe auch visuell zu einem ansprechenden Lesevergnügen.

Die Reihe erscheint auf Deutsch beim Panini Verlag.

Thorgal

Thorgal

Von einem Sturm auf hoher See überrascht, entdeckt eine Truppe von Wikingern ein Baby in einem merkwürdigen Boot. Das gerettete Kind wird auf den Namen Thorgal Ägirsson getauft. Seine Geschichte ist die eines Mannes, dem die Götter eine schwere Prüfung auferlegten, und der im Laufe seiner Abenteuer das Geheimnis seiner Ursprünge enthüllt. Dem Zorn der Götter und dem Neid der Menschen ausgeliefert, ist er gezwungen, sich mit machtgierigen Herrschern, bornierten Göttern, Fabelwesen, Naturgewalten und Fanatikern auseinanderzusetzen. Obwohl er oft die unglaublichsten Heldentaten vollbringt, ist er im Grunde seines Herzens ein besonnener Mensch, der in Ruhe im Schoß seiner Familie leben will. Doch immer wieder wird er gezwungen, sich der rauen Welt und ihren Herausforderungen zu stellen, um seine Existenz zu verteidigen.

Innerhalb der Serie wechseln sich die literarischen Gattungen ab, die Personen entwickeln sich von Album zu Album weiter, die Götter ziehen die Fäden des Schicksals und treiben ihre Spiele mit Thorgal. Für die faszinierende Mischung aus Heldenepos und Fantasy heimsten der belgische Autor Jean van Hamme und der aus Polen stammende Zeichner Grzegorz Rosiński verdientermaßen etliche internationale Preise ein.

Während Van Hamme mittlerweile von Yves Sente abgelöst wurde, hat sich der Zeichenstil von Grzegorz Rosiński weiterentwickelt hat. Während er Ende der Siebziger Jahre noch recht traditionell flächig koloriert arbeitet, setzt er aktuell eine plastische direkte Farbgebung ein und verzichtet oft ganz auf Konturen.

Thorgal ist in Frankreich ein gewaltiger Erfolg und dort liegen mittlerweile über 30 Bände der Hauptserie vor. Zusätzlich erscheinen unter dem Titel “Die Welten von Thorgal“ noch von anderen Zeichnern unter der Oberaufsicht von Rosiński zusätzliche Spin-Off-Serien.

“Thorgal“ wurde bei uns zunächst vom Carlsen Verlag veröffentlicht, jetzt hat sich der Splitter Verlag der Serie angenommen und bringt alte und neue Titel der Serie als hochwertig aufgemachte Hardcoverbände heraus.