WILDerer - von Volkshelden und Verbrechern

Konfiszierte Tierprodukte (Nepal)

Sommerausstellung 16. Juli - 2. November 2014

Der Wilderer – „Wuidara“ –  ist ein sozialer Aufrührer, ein Held der Berge! Er verkörpert baierische Tradition, Liebe zur Natur und Passion für die Jagd sowie Rebellion gegen soziale Ungerechtigkeit – So oder so ähnlich wird der Wilderer vielerorts assoziiert: Eine klassische Figur aus Nostalgiefilm und Heimatromantik.
„[W I L D] erer“ behandelt jedoch nicht allein diese Form süddeutscher Rebellion bis in die 1950er und 1960er Jahre, sondern will den Blick besonders auch auf die heutige Brisanz des Themas lenken. Nashörner, Tiger, Elefanten und unzählige weitere Tiere – bedroht und nicht bedroht – sind aufgrund ihrer Mythologisierung, ihrer Funktion als Prestigesymbole und ihrer Bedeutung in der Traditionell Chinesischen Medizin anhaltend Opfer von Wilderei. Der internationale Handel mit seltenen Tieren und ihrer Produkte floriert seit dem Beginn des neuen Jahrtausends erneut und nimmt besonders in den letzten Jahren an Brutalität sowie an Organisation zu.
Organisierte Banden aus diversen kriminellen und terroristischen Umfeldern nutzen Wilderei und die daraus gewonnenen Profite zur Subventionierung anderer Teilbereiche. Gewalt, Struktur und Taktik sowie eine erschreckende Skrupellosigkeit gegenüber Mensch und Tier nehmen immer mehr zu. Behörden und Wildparkmanagement sehen sich mit kriegsähnlichen Situationen konfrontiert, die jedes Maß überschreiten. Die Vorgehensweise der Wilderer und die steigende Wildkriminalität sind für ansässige Gruppen wie auch für den Wildbestand und insbesondere den Erhalt bedrohter Arten fatal.
Ein blinder Fleck in der öffentlichen Wahrnehmung von Wilderei ist zudem die Problematik nationaler Wilderei heute. Auch in Deutschland werden nach wie vor Tiere gewildert, die unter den in der Regel nicht waidgerechten Abschüssen leiden. Die Methoden der Wilderer heute reichen vom Schlingenlegen bis zur Blendjagd mit dem Auto. Der wilde Abschuss und seine Folgen für das Wild, sowie die Motive moderner Wilderer weisen Parallelen und Unterschiede zu den Volkshelden des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf. Die Ausstellung möchte somit die gesamte Bandbreite der Jagdwilderei einst und heute aufzeigen, sowie ihre dramatischen Folgen für die globale Biodiversität.